Für das Bayerische Innenministerium, maßgeblich für den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, scheint es keinen Unterschied zu machen, ob eine so grausame Gewalttat aus politischen Motiven verübt wurde oder nicht. Aufgrund des Drucks, der von Angehörigen, wissenschaftlichen Gutachten und durch den Mord an Walter Lübcke und den Anschlag in Halle bei ihm entstanden ist, hätte er halt mal seine Meinung geändert – diesen Eindruck machen seine Äußerungen.
Es sei, als wäre diese Einordnung hinter verschlossenen Türen getroffen worden. So nimmt das der Vater von Can Leyla wahr. Die Angehörigen haben die Neubewertung der Tat aus den Medien erfahren. Es ist, als wäre rechter Terror eine Lappalie. Niemand ist von offizieller Seite auf die Angehörigen zugegangen, um sie zu informieren, sie zu fragen, was das für sie bedeutet, und um zu erklären, welche Folgen diese Neueinordnung haben könnte.
Wann entschuldigt sich ein Staat? Reichen neun Menschen, die ihr Leben verloren haben, weil ein Täter eine rassistische Reinheitsideologie verfolgte, nicht aus, um sich für eine staatliche Fehleinschätzung zu entschuldigen? Wann übernimmt ein Staat Verantwortung für seine Fehler? Und was lernen staatliche Institutionen aus ihren Fehlern?
